Folge 1 · Summwald
Gruvi und Fanki treffen Theo Trommelwirbel
Dieselbe Geschichte, dazu die gemalten Bilder. Startet erst hier auf Knopfdruck und hört am Ende auf.
Am Morgen ging die Astlochtür auf.
Gruvi steckte den Kopf heraus und horchte. Fanki kam hinterher und pustete einmal über ihre Platte, obwohl gar kein Staub darauf war.
„Hörst du das auch?", fragte Gruvi.
Es machte: tok. Tok. Tok tok tok.
Es kam von weiter oben. Gruvi legte das Ohr an den Stamm, so wie er das Ohr an alles legte, was klingen könnte. Der Stamm brummte leise mit.
Oben auf einem Ast saß Theo Trommelwirbel und klopfte gegen das Holz.
„Guten Morgen", sagte Fanki.
Tok tok tok, machte Theo. „Morgen", sagte er und klopfte weiter.
„Musst du dabei klopfen?", fragte Gruvi.
„Ich klopfe immer", sagte Theo. Tok tok. „Wenn ich nachdenke, klopfe ich. Wenn ich baue, klopfe ich. Und wenn alle schlafen, klopfe ich auch." Tok.
Da kam es von unten am Stamm: rrromm-tata, rrromm-tata.
Die Ameisen kamen. Sie kamen immer im Gehen, jede mit ihrem Instrument, und sie spielten dabei, als wäre der Weg die Bühne.
„Halt!", rief Gruvi. „Ihr spielt anders als Theo!"
„Wir können nicht anhalten", riefen die Ameisen im Vorbeigehen. „Wir haben noch drei Termine."
Theo klopfte schneller. Die Ameisen spielten schneller. Theo klopfte noch schneller, und die Ameisen auch, und bald war der ganze Stamm ein einziges Durcheinander aus tok und rrromm, und niemand kam mehr mit.
„Genau genommen", sagte eine kleine Stimme von ganz unten, „genau genommen klopft ein Specht nicht, um Krach zu machen. Er klopft, damit alle hören, wo er wohnt. Das ist so etwas wie ein Türschild. Nur lauter."
Unten im morschen Holz saß Otto Ohrwurm und schob seine viel zu große Brille hoch.
„Hat dich jemand gefragt?", rief Theo.
„Nein", sagte Otto zufrieden.
Und dann geschah etwas Merkwürdiges. Weil Theo Otto zugehört hatte, war er einen Schlag lang leise gewesen. Genau einen. Und in diesem einen Schlag traf sein tok den Schritt der Ameisen.
Tok, tata. Tok, tata. Tok, tata.
Es passte.
Die Ameisen marschierten, Theo klopfte, und zum ersten Mal an diesem Morgen klang der Baum nicht nach Streit, sondern nach Musik. Gruvi machte die Augen zu und hörte zu. Als er sie wieder aufmachte, waren sie rund wie Plattenteller.
Fanki holte die Platte. Und so gab es das erste Lied.
Weit oben, kopfüber in der Spechthöhle, sang jemand aus vollem Hals mit. Sie kannte den Text nicht. Sie sang trotzdem. Gehört hat sie natürlich niemand.
Als es dunkel wurde, saßen die Waldohren auf ihrem blanken Ast.
„GUTE NACHT!", brüllten sie.
Und alle anderen machten: „Psssssst."