Folge 4 · Summwald
Gruvi und Fanki treffen die Ameisen-Brassband
Dieselbe Geschichte, dazu die gemalten Bilder. Startet erst hier auf Knopfdruck und hört am Ende auf.
Selma Schnecke war die Langsamste im ganzen Summwald.
Sie war eine Schnecke, sie trug ihr Haus auf dem Rücken und einen winzigen Rucksack darauf, und sie sagte nie ein Wort. Wenn sie etwas meinte, hob sie einen Fühler.
An diesem Morgen hob sie beide.
„Sie will zur Brassband", sagte Fanki.
„Dann los", sagte Gruvi.
Und Selma ging los.
Sie gingen den Waldweg entlang. Die Ameisen waren schon weit vorn, man hörte sie nur noch als rrromm-tata hinter den Bäumen. Sie hielten nie an. Sie hielten grundsätzlich nie an.
Unterwegs kam ihnen Daniel Dachs entgegen, mitten aus einem Loch, aus dem niemand ihn erwartet hatte.
„War ein Umweg", sagte er. „Planänderung." Und verschwand wieder.
Weiter vorn saß Tilo Triller kopfüber am Stamm und mauerte an seinem Eingang herum.
„Also eigentlich", sagte er, ohne sich umzudrehen, „also eigentlich holt man die nie ein."
Selma ging weiter.
Die Sonne wanderte. Der Weg wurde lang. Gruvi wurde müde, Fanki wurde müde, und Selma ging weiter, immer gleich schnell, immer gleich langsam.
Als sie am Abend auf der Lichtung ankamen, war die Brassband gerade fertig. Die Ameisen packten zusammen, alle gleichzeitig, alle im Gehen.
„Wir können nicht bleiben", riefen sie. „Wir haben noch drei Termine."
Selma hob einen Fühler.
Und da geschah etwas, das die Ameisen noch nie gemacht hatten.
Sie blieben stehen.
Nur einen Moment lang. Nur so lange, wie ein Fühler braucht, um sich zu heben. Auf der ganzen Lichtung war es still, und die Stille klang nach etwas, das an diesem Tag noch gefehlt hatte.
Dann spielten sie weiter und marschierten davon.
„Was war das?", fragte Gruvi.
„Eine Pause", sagte Fanki.
Selma machte sich auf den Rückweg. Sie war früh genug losgegangen.
„GUTE NACHT!", brüllten die Waldohren.
„Psssssst", machten alle anderen.