Folge 5 · Summwald
Gruvi und Fanki treffen Selma Schnecke
Dieselbe Geschichte, dazu die gemalten Bilder. Startet erst hier auf Knopfdruck und hört am Ende auf.
Am Tag des Baumkonzerts standen alle bereit.
Heiner Häher hatte alles organisiert, das sagte er jedenfalls, und zwar sehr oft. „Ohne mich wäre hier gar nichts", sagte er. „Ich kenne da jemanden. Ich kenne hier ALLE."
Er hatte zehn Musiker versprochen. Es waren am Ende sieben, und zwei davon kannten ihn nicht.
Aber sie waren da.
Unten Erwin. Darüber die Ameisen. Auf den Ästen Theo. In der Krone der Finkenchor, der sich zweimal falsch einzählte und noch einmal von vorn anfangen musste. Ganz oben Gustav Grille, der wie jeden Sommer bei null anfing. In der Astgabel die Waldohren, die schon vor dem Anfang brüllten. Und über allem die Lichtcrew, die blinkte.
Gruvi legte die Platte auf, und Fanki gab das Zeichen.
Und dann spielten sie.
Es war laut. Es war groß. Es war alles auf einmal.
Und es klang falsch.
Sie hörten auf. Sie fingen noch einmal an. Es klang wieder falsch.
„Zu schnell", sagte Theo.
„Zu tief", sagte der Finkenchor.
„ENTSCHULDIGE, ICH KANN SIE NICHT VERSTEHEN, ICH SCHREIE SO LAUT", brüllten die Waldohren.
Heiner telefonierte. Otto rückte die Brille hoch und begann einen Satz mit „Genau genommen", aber diesmal hörte ihm sogar jemand zu, und da wusste er nicht weiter.
Gruvi setzte sich auf die Stufe vor der Astlochtür und legte das Ohr an den Stamm.
„Es fehlt was", sagte er.
„Was denn?", fragte Fanki.
„Nichts", sagte Gruvi. „Genau das."
Und dann kam Selma.
Sie war früh losgegangen, wie immer, und sie kam an, wie immer, und sie sagte kein Wort, wie immer. Sie schob sich in die Mitte, ganz langsam, und hob einen Fühler.
Alle waren still.
Eins. Zwei.
Und dann spielten sie noch einmal, und diesmal war zwischen den Tönen Platz. Erwin unten, die Ameisen darüber, Theos Takt, der Chor, die Grille, das Brüllen, das Blinken, und mittendrin, immer wieder, die Pause.
Es klang wie ein Baum, in dem alle wohnen.
Und mittendrin, ganz oben, hing Frida kopfüber und spielte mit. Sie war dazugekommen, ohne dass jemand sie gerufen hatte, und sie gab alles, und natürlich hörte sie keiner.
Als es vorbei war, sagte niemand etwas. Nicht mal Otto.
Dann verbeugten sich alle. Und Frida verbeugte sich am tiefsten, am längsten und mit dem meisten Schwung von allen.
Dann brüllten die Waldohren: „GUTE NACHT!"
Und alle anderen, wirklich alle, machten: „Psssssst."